Moby Dick: Ahab




Kapitän Ahab, in der 1956er Verfilmung von Moby Dick gespielt von Gregory Peck, ist ein finsterer Geselle. Seit der weiße Wal ihn entstellt und fast getötet hat, jagt er ihm durch die sieben Weltmeere nach, besessen vom Gedanken an Rache und bereit, dafür jedes Menschenleben, auch sein eigenes, zu opfern.

Der Angriff durch den weißen Wal muss für Ahab ein Erlebnis extremer Belastung und Todesangst gewesen sein, im psychologischen Sinne ein Trauma, welches allerdings zum Zeitpunkt der Handlung von Moby Dick bereits viele Jahre zurückliegt.

Lange zurückliegende, aber unverarbeitete Traumata können bei den Betroffenen, wie bei Ahab, zu einer chronifizierten Traumafolgestörung, einer sogenannten Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0), führen. Diese ist zu diagnostizieren, wenn eine Person ein schweres Trauma erlebt hat und später mindestens zwei der folgenden Symptome dauerhaft aufweist:
  • Feindliche oder misstrauische Haltung
  • Sozialer Rückzug
  • Andauerndes Gefühl von Leere und Hoffnungslosigkeit
  • Andauerndes Gefühl von Nervosität oder von Bedrohung
  • Andauerndes Gefühl der Entfremdung (anders als die anderen zu sein), ggf. verbunden mit emotionaler Betäubung

Häufig geht einer Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung eine Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) voraus und die Symptome beider Störungen können ineinander übergehen. So scheint es auch bei Ahab gewesen zu sein, dessen Schlafstörungen und Alpträume noch immer auf die Posttraumatische Belastungsstörung hinweisen. 

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