Taras Welten: Tara


Im Mittelpunkt von Taras Welten (United States of Tara) steht die Multiple Persönlichkeitsstörung der Protagonistin Tara. Diese seltene psychische Störung wird nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (IDC-10: F44.81) durch die folgenden Kriterien beschrieben:
  • Zwei oder mehr unterschiedliche Persönlichkeiten innerhalb eines Individuums, von denen zu einem bestimmten Zeitpunkt jeweils eine in Erscheinung tritt
  • Jede Persönlichkeit hat ihr eigenes Gedächtnis, ihre eigenen Vorlieben und Verhaltensweisen und übernimmt zu einer bestimmten Zeit, auch wiederholt, die volle Kontrolle über das Verhalten der Betroffenen
  • Amnesien (Unfähigkeit, wichtige Informationen zu erinnern)
  • Zusammenhang zwischen den Symptomen und belastenden Ereignissen, Problemen oder Bedürfnissen

Zu Beginn der Serie stellen sich Taras unterschiedliche Persönlichkeiten als eine lebhafte Truppe illustrer Gestalten dar, die vor allem für Abwechslung und allerhand lustig-peinliche Zwischenfälle im Leben von Tara und ihrer Familie sorgen.
Wie viele psychopathologische Symptome, so ist auch Taras Multiple Persönlichkeitsstörung nicht einfach nur krank, sondern erfüllt wichtige Funktionen. So schützen die Amnesien, die mit der Persönlichkeitsspaltung einhergehen, Tara vor traumatischen Erinnerungen und der Wechsel zwischen verschiedenen Persönlichkeiten erlaubt ihr, unterschiedlichste Alltagsanforderungen zu erfüllen. Diese unmittelbar aus der Symptomatik resultierenden Erleichterungen nennt man primärer Krankheitsgewinn. Darüber hinaus hat Tara auch noch einen erheblichen sekundären (d.h. über die Reaktion ihres Umfelds vermittelten) Krankheitsgewinn: Sie kann sich durch den Wechsel ihrer Persönlichkeit unangenehmen Situationen entziehen und sexuelle, aggressive und infantile Impulse ausleben, ohne die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen.
Für Taras jugendliche Kinder, die beide ebenfalls darum ringen, ihre wahre Identität und ihren Platz in der Welt zu finden, ist es besonders schwer, dass ihre Mutter Fragen von Ambivalenz, Verwirrung, Scham und Verantwortung "einfach" durch Persönlichkeitsspaltung aus dem Weg gehen kann, während sie selbst all das ständig aushalten müssen.

Im Verlauf der Handlung jedoch nimmt Taras Leidensdruck zu, weil die Persönlichkeitsstörung, die sie wohl lange Jahre vor zu großen Belastungen geschützt hat, zunehmend selbst zur Belastung wird.
Durch die Aufspaltung von Bewusstsein und Verantwortung zwischen den Alter-Egos kann Taras Gesamtpersönlichkeit nicht reifen und sich weiterentwickeln und sie ist zunehmend weniger in der Lage, sich an Veränderungen, z.B. die Entwicklung ihrer Kinder, funktional anzupassen.
Wenngleich Taras multiple Persönlichkeitsstörung zugunsten der Comedy etwas plakativ und vereinfacht dargestellt wird, so veranschaulicht Taras Welten doch gut die charakteristische Entwicklung psychopathologischer Symptome, die häufig als notwendige Bewältigungsmechanismen für ansonsten unaushaltbare innere und/äußere Situationen beginnen und erst mit der Zeit immer mehr Einschränkungen und Leidensdruck verursachen. Zu diesem Zeitpunkt wird dann oftmals eine Psychotherapie notwendig, die auch Tara aufsuchen wird...



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